Insolvenz
Insolvenzverfahren

Geschäftsbesorgungsauftrag nach Insolvenzeröffnung: Weiterarbeiten oder neu beauftragen?

§ 26 IO: Wann ein Geschäftsbesorgungsauftrag erlischt und wie Beauftragte offene Angebote, Altvergütung und einen neuen Auftrag der Masse trennen.

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Wir prüfen Verfahrensstand, Verträge, Zahlungsbelege und Sicherheiten und erklären, welche rechtliche Frage als Nächstes zu klären ist.

6. November 2026, Mag. Bernhard Brandauer, Rechtsanwalt

Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens erlischt ein vom Schuldner erteilter Geschäftsbesorgungsauftrag nach § 26 Abs. 1 IO, soweit er die Insolvenzmasse betrifft. Wer bisher für das Unternehmen Geschäfte besorgt hat, sollte weitere Vermögensdispositionen erst nach Klärung der neuen Befugnisse vornehmen. Eine Kündigung oder ein Widerruf durch den Insolvenzverwalter ist für dieses gesetzliche Erlöschen nicht erforderlich.

Die Entscheidung über die Weiterarbeit verlangt, drei Fragen zu trennen: Bestand bereits ein angenommener Auftrag? Lag nur ein offenes Vertragsangebot vor? Oder hat der Insolvenzverwalter einen neuen Auftrag erteilt? Unabhängig davon gilt es zu klären, welche Vergütung aus der bisherigen Tätigkeit offen ist und auf welcher Grundlage neue Leistungen bezahlt werden sollen.

Welche Grundlage hat Ihre weitere Tätigkeit?

Ordnen Sie den Stand des Auftrags ein. Der Check zeigt, welche Unterlagen und Befugnisse vor der Weiterarbeit zu klären sind.

Besprechen Sie den konkreten Fall mit der Kanzlei.

01 Frage 1

Was liegt für die geplante Geschäftsbesorgung vor?

Ihre Angaben

Dokumente geordnet prüfen

01

Alten Auftrag und Massebezug prüfen

Prüfen Sie das Erlöschen nach § 26 Abs. 1 IO, bevor Sie weitere Vermögensdispositionen vornehmen. Klären Sie den Vertragstyp und eine neue Beauftragung.

02

Offerte an den Schuldner einordnen

§ 26 Abs. 2 IO lässt das noch nicht angenommene Angebot grundsätzlich aufrecht. Prüfen Sie die Umstände eines abweichenden Anbieterwillens und den Annahmestand.

03

Keine Bindung aus der alten Offerte unterstellen

An das vor Eröffnung noch nicht angenommene Angebot des Schuldners ist der Insolvenzverwalter nach § 26 Abs. 3 IO nicht gebunden. Klären Sie die neue Vertragsgrundlage.

04

Neuen Auftrag und Annahme dokumentieren

Klären Sie Leistungsumfang, Vergütung und Annahme der neuen Beauftragung. Ordnen Sie die bisherigen Ansprüche getrennt von den neuen Leistungen ein.

Welche Geschäftsbesorgung fällt unter § 26 Abs. 1 IO?

Die Bezeichnung als Auftrag reicht für die Einordnung nicht aus. Maßgeblich sind vielmehr die übernommenen Geschäfte sowie die Gesamtausgestaltung des Vertrags. Eine laufende Betreuung mit Geschäftsbesorgung kann unter § 26 Abs. 1 IO fallen, selbst wenn sie zugleich tatsächliche Dienstleistungen oder einzelne Werkleistungen umfasst. Daraus ergibt sich keine automatische Beendigung aller Verträge eines insolventen Unternehmens.

Der OGH beurteilte am 26. Jänner 1995 in der Sache 8 Ob 7/93 einen Steuerberater, der laufend Buchhaltung, Lohnverrechnung, Bilanzen und Steuererklärungen betreute. Er qualifizierte den Vertrag nach seinem Gesamtcharakter als Geschäftsbesorgung und stellte fest, dass der bisherige Auftrag erloschen ist. Ein einzelnes Gutachten oder eine isoliert beauftragte Bilanz können dagegen anders einzuordnen sein. Für einen beiderseits noch offenen Austauschvertrag kommt eine Prüfung nach § 21 IO in Betracht.

Eröffnungszeitpunkt und Massebezug zuerst klären

§ 2 Abs. 1 IO setzt die Rechtswirkungen der Eröffnung an den Beginn des Tages nach der öffentlichen Bekanntmachung des Insolvenzedikts. Sichern Sie das Edikt und ordnen Sie jede offene Handlung zeitlich zu. § 1024 ABGB enthält für die Wirksamkeit von Vertretungshandlungen eine eigene Anknüpfung bereits an die Bekanntmachung. Daher brauchen Auftrag im Innenverhältnis und Auftreten gegenüber Dritten eine getrennte Prüfung.

Die Rechtsprechung beschränkt das Auftragserlöschen auf massebezogene Geschäfte, die das zur Insolvenzmasse gehörende Vermögen schmälern können. Sie behandelt Aufträge über insolvenzfreies Vermögen gesondert. Das Erlöschen wirkt grundsätzlich für die Zukunft, sodass frühere wirksame Handlungen dadurch nicht rückwirkend wegfallen. Diese Abgrenzung ist besonders wichtig, wenn bereits Zahlungen, Verfügungen oder mehrseitige Vereinbarungen vorliegen.

Offenes Angebot ist noch kein bestehender Auftrag

Ein Vertragsangebot des Dienstleisters an den Schuldner, das dieser vor der Eröffnung noch nicht angenommen hat, bleibt nach § 26 Abs. 2 IO grundsätzlich aufrecht, doch ein anderer Wille des Anbietenden kann sich aus den Umständen ergeben. Umgekehrt ist der Insolvenzverwalter an ein vom Schuldner abgegebenes, noch nicht angenommenes Angebot nach § 26 Abs. 3 IO nicht gebunden.

Der Beauftragte bestimmt daher den nächsten Prüfschritt anhand des belegten Vertragsschlusses. Angebot, Annahme und Zugangsnachweise zählen neben dem Eröffnungsnachweis dazu. Prüfen Sie bei einem bereits angenommenen Auftrag sein mögliches Erlöschen nach Abs. 1. Die Regeln für offene Offerten ersetzen diese Prüfung nicht.

Weiterarbeit braucht eine geklärte neue Beauftragung

Vereinbaren Sie einen neuen Auftrag mit eindeutigem Umfang, falls der Insolvenzverwalter die bisherige Geschäftsbesorgung weiter nutzen will. Halten Sie fest, wer für die Masse handelt, welche Tätigkeiten übernommen werden, wann sie beginnen und welche Vergütungsgrundlage gilt. Bestätigen Sie auch die Annahme des Auftrags. Eine schriftliche Dokumentation schützt den Nachweis, doch daraus folgt keine allgemeine gesetzliche Schriftformpflicht.

Die Entscheidung 8 Ob 7/93 zeigt, dass eine Ermächtigung allein noch keinen sicheren Vergütungsanspruch schafft. Der OGH prüfte eine mögliche neue Auftragserteilung und die erforderliche Annahme gesondert. Da keine Annahme nachgewiesen wurde, konnte der Steuerberater den geltend gemachten Vertragsanspruch nicht darauf stützen. Die Sache wurde zur Prüfung einer anderen Anspruchsgrundlage zurückverwiesen. Daher bietet bloßes Weiterarbeiten oder das Ausbleiben eines Widerspruchs keine verlässliche Vertragsgrundlage.

Altvergütung und neue Leistungen getrennt abrechnen

Das Erlöschen des Auftrags beseitigt Vergütung und Auslagen aus der Zeit vor der Eröffnung nicht automatisch. Vertrag und Leistungsstand bestimmen, ob und in welcher Höhe ein Anspruch besteht. Vermögensrechtliche Ansprüche, die bei Eröffnung bereits gegen den Schuldner bestehen, sind grundsätzlich Insolvenzforderungen nach § 51 IO. Eine erst später ausgestellte Rechnung macht daraus keine Masseforderung.

Der Insolvenzverwalter kann durch eine neue Beauftragung eine Masseforderung nach § 46 Z 5 IO begründen. Dafür müssen Auftrag, Annahme und Leistung dem neuen Verhältnis zugeordnet werden können. Der OGH klärte in 8 ObA 116/03x vom 16. Juli 2004, dass Abwicklungsansprüche aus einem erloschenen Treuhandauftrag nicht schon deshalb Masseforderungen sind. Auch eigenmächtige Weiterarbeit garantiert keine Bezahlung, denn Geschäftsführung ohne Auftrag oder Bereicherung verlangen eigene Voraussetzungen und Nachweise.

Offene Verfügungen und Übergabe gezielt abstimmen

Erstellen Sie vor dem nächsten Schritt eine Liste der offenen Geschäfte, die ausstehende Zahlungen, vorbereitete Erklärungen, verwahrte Gelder, Unterlagen und laufende Termine umfasst. Fügen Sie dazu den alten Auftrag, Vollmachten, Tätigkeitsnachweise und die Kommunikation mit dem Insolvenzverwalter hinzu. Benennen Sie einen drohenden konkreten Nachteil sofort und verlangen Sie eine klare Entscheidung über die erforderliche Maßnahme. Eine allgemeine Dringlichkeit ersetzt keine Befugnis zur neuen Verfügung.

Rechte anderer Beteiligter und der vereinbarte Abwicklungsmodus können bei mehrseitiger Treuhand fortbestehen. Der OGH erläuterte dies am 21. November 2006 zu 4 Ob 163/06h, insbesondere für eine Treuhand zur Absicherung eines anderen Vertrags. Daher darf Geld weder allein wegen der Insolvenz beliebig weitergeleitet noch pauschal aus jeder bestehenden Abwicklung herausgelöst werden. Hier sind Grundgeschäft, Leistungsstand und Drittpositionen gemeinsam zu prüfen.

FAQ

Häufige Fragen zur Weiterarbeit nach Insolvenzeröffnung

Muss der Insolvenzverwalter den alten Auftrag kündigen? +

Ein massebezogener Auftrag des Schuldners erlischt kraft Gesetzes nach § 26 Abs. 1 IO und eine gesonderte Kündigung ist dafür nicht erforderlich. Zuerst ist jedoch zu prüfen, ob der konkrete Vertrag überhaupt als solcher Auftrag einzuordnen ist.

Darf ich auf Anweisung der bisherigen Geschäftsführung weiterarbeiten? +

Bei massebezogenen Geschäften verlassen Sie sich nicht allein auf den alten Auftrag oder eine neue Nachricht der bisherigen Geschäftsführung, sondern klären Sie die im konkreten Verfahren bestehende Verfügungsbefugnis und die neue Beauftragung. Wenn Sonderregeln gelten, etwa bei Eigenverwaltung, brauchen diese eine eigene Prüfung.

Ist jede Leistung nach der Eröffnung eine Masseforderung? +

Nicht allein der Leistungs- oder Rechnungstag entscheidet dies. Weisen Sie eine neue Beauftragung des Insolvenzverwalters sowie die Voraussetzungen des § 46 IO nach. Altansprüche und Leistungen ohne neuen Auftrag sind getrennt einzuordnen.

Geht mein bisheriger Vergütungsanspruch verloren? +

Das Erlöschen beendet die bisherige Auftragsgrundlage für künftige Tätigkeiten. Prüfen Sie bereits bestehende Vergütungs- und Auslagenansprüche nach Vertrag, Entstehungsgrund und Leistungsstand. Diese Ansprüche werden dadurch nicht automatisch zu Ansprüchen gegen die Masse.

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